Kurzfassung der Geschichte des Lechenicher Gymnasiums

1666

Schon für das Jahr 1666 ist bezeugt, dass es im Kloster der Franziskaner Lateinunterricht für Knaben gab.

1783

richtete der damalige Kurfürst Max Friedrich die Vorstufe eines Gymnasiums, das Tyrocinium und die Infima, ein

1802

Die Franzosen beendeten diese erste Lechenicher Lateinschule.

1863

Ein neuer Anlauf wurde 1863 genommen: Der Lehrer Ferber aus Lindlar erhielt die Erlaubnis erteilt, im ehemaligen Franziskaner-Kloster eine „öffentliche private höhere Schule (Sexta - Quarta)“ zu errichten. Die Schülerzahl betrug zwischen 25 und 30 Knaben.

1869

1. April: Übernahme der Privatschule auf den Etat der Stadt Lechenich:
„Höhere Schule zu Lechenich“
Schulgebäude ist die alte Elementarschule am Kirchplatz. Schulgeld im Jahr 1870: 30 Taler.

1888

Am 22. März hielt die Schule eine Trauerfeier für des Hochseligen Kaisers Majestät. Trauerlieder und Gedichte, welche sich auf den Tod des Heldenkaisers bezogen, wechselten ab. In einer Ansprache gab Rector Adolf Holler ein Bild des Helden-Lebens und Strebens des Verewigten.

1903

Einrichtung einer vierten Klasse, der Untertertia

1909

Nach Bezug des Neubaues am Kirchplatz Erweiterung der Schule auf 5 Klassen (Obertertia).

1912

Am 19. Oktober beehrte Sr. Majestät, unser allergnädigster Kaiser und König, Stadt und Schloss Lechenich mit seinem Besuche. Der Aufenthalt dauerte etwa ½ Stunde. An der Spalierbildung in der Feststrasse vom Bonner Tore bis zum Schloss und von da bis zum Herriger Tore beteiligte sich auch unsere Schule. Der Festtag, vom schönsten Herbstwetter begünstigt, wird noch lange in aller Erinnerung fortleben.

1913

Neben der Höheren Knabenschule wird eine besondere Schule für die „Höheren Mädchen zu Lechenich“ eingerichtet. Im Jahre 1914 gibt es 41 Schülerinnen und 59 Schüler.

1918

Mit dankbarer Liebe und herzlicher Gastfreundschaft nahm die Heimat die Truppen auf. Bereitwillig halfen die Knaben und Mädchen die durchziehenden Truppen mit Tee und Kaffee bewirten. Aber bald reichten die Bürgerquartiere und die vorhandenen Säle nicht aus, um den Heimkehrenden wenigstens für die Nacht einige Stunden wohltuender Ruhe zu bereiten. Mit Jubel halfen die Jungens Bänke und Pulte aus der Schule herausschaffen, als es hieß, die Schule müsse für die Truppen geräumt werden

1919

Feier des fünfzigjährigen Schuljubiläums am 30. Dezember.

1920

Ratsbeschluss über die Auflösung der Schule wegen finanzieller Schwierigkeiten der Stadt. Weiterführung als Privatschule des Kaplans Schall mit einem jährlichen Zuschuss der Stadt.

1934

Wir Schüler waren zu jung, um zu begreifen. Die Lehrerschaft schien bis zu meinem Abgang zu Ostern 1934 auch noch nicht angebissen zu haben; denn sie bewahrte sich ihre natürliche Einstellung zu den Schülern und zu der Situation an der Schule. Ob dies nun daran gelegen hat, dass die Anstalt durch einen geistlichen Rektor wohlbehütet war oder der Dornröschenschlaf, in dem Lechenich auch damals noch lag, die Stadt selbst und damit die Schule vor den Zudringlichkeiten der neuen Zeit bewahrte, kann ich aus der Retrospektive selbst heute nicht beurteilen. Offenbar war es damals das Schicksal der Schule, allseits nicht ernst genommen zu werden. (Bericht eines ehemaligen Schülers)

1946

1. Oktober 1946: Wiedergeburt

Entsprechend dem Ratsbeschluss vom 26. Januar 1946 Eröffnung der fünfklassigen „Städtischen Höheren Zubringerschule“ für das städtische Gymnasium in Euskirchen

1950

In fünf Klassen werden z. Zt. 130 Kinder unterrichtet. Die soziale Schichtung der Eltern unserer Schüler erhellt aus der von der Schule angestellten Erhebung:
Danach haben wir 12 Kinder von Akademikern, 20 von Landwirten und Handwerkern, 42 von Angestellten, kleinen Beamten und Kaufleuten, 16 von Flüchtlingen, 24 von Arbeitern, 17 von Witwen.
Das bedeutet, daß gerade die weniger günstig begüterten Eltern neben dem Schulgeld noch besondere Mehrkosten aufbringen müssen.

1961

Erweiterung der Schule zum Progymnasium mit der Untersekunda als Abschlussklasse

1964

Übersiedlung ins neue Schulgebäude an der Dr.-Josef-Fieger-Straße.

Nach 19 Monaten realer Bauzeit konnte am Montagvormittag das neue Progymnasium in Lechenich feierlich seiner Bestimmung übergeben werden. Im Mittelpunkt der Neustadt zeigt sich dem Besucher ein lang gestrecktes, flaches, modernes Bauwerk, das im Schatten des altehrwürdigen Schlosses ein Markstein in der Geschichte der Stadt sein wird. Im sechsklassigen Progymnasium werden 150 Schüler des Nordkreises eine großzügige Bildungsstätte finden. (Kölner Stadt-Anzeiger)

Die Schlossstadt war einmal Mittelpunkt dieser Landschaft“, so sagte Oberstudiendirektor Dr. Werres bei der Einweihung des neuen Progymnasiums der Stadt, „möge das Progymnasium nun auch kultureller Mittelpunkt dieser Landschaft werden.“ Im Rahmen einer Feier wurde das naturwissenschaftliche Gymnasium am Montag seiner Bestimmung übergeben. Die vielen Ehrengäste lobten einmütig den klar gegliederten Baukörper. Ein Redner sprach sogar von neidvoller Bewunderung für diese schöne Schule. In der Tat hat die Schlossstadt Lechenich mit dem Bau des Progymnasiums einen neuen Markstein in ihrer traditionsreichen Geschichte gesetzt. (Kölnische Rundschau)

1967

Im Juli erscheint die erste Nummer der Schülerzeitung „PeGeL“.

Gründung der SMV (Schülermitverwaltung).

1968

Ausbau des Progymnasiums zur „Vollanstalt“ als mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium mit neusprachlichem Zweig.
„Städtisches Gymnasium i. E.“ (in Entwicklung)

1969

100 Jahr-Feier mit erstem großem Schulfest. 630 SchülerInnen besuchen das Gymnasium.

Es entsteht "Der Schulfilm"

1971

Erstes Abitur. Klassenlehrer W. Tiemann führt 11 Abiturienten und 6 Abiturientinnen ins Abitur

1973

Eintritt der Jahrgangsstufe 11 in die zweite Versuchsreihe „zur Vorbereitung der Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe.

1985

ca 1500 SchülerInnen besuchen das Lechenicher Gymnasium

1994

125-Jahr-Feier der Höheren Schule Lechenich

Die Darstellung entstammt in wesentlichen Zügen der in der Festzeitschrift vom Jahre 1984 veröffentlichten Chronik.

Die Schulleiter

bis 1968 Friedrich Keller
1968 - 1982 Dr. Karl Stommel
1982 - 1993 Werner Tiemann
1993 - 1998 Renate Sartor
1998 - 1999 Siegmar Hinz (komm)
1999 - 2006 Dr. Hiltrud Westram
2006 - 2007 Franz Holz (komm)
2007 - 2009 Gabriele Breuer-Rönspies
2009 - 2010 Norbert Subroweit (komm)
2010 - Karin Freiburg

Die Entwicklung des Baukörpers

Im Jahr 1961 bewilligte die Stadt Lechenich für den Bau des zu errichtenden Progymnasiums
1 Million DM, ein Betrag, der bereits 1992 auf ca. 2,1 Millionen aufgestockt werden musste,
damit der Neubau an der Dr.-Josef-Fieger-Straße errichtet werden konnte.

Auf dem freien Feld zwischen Dr.-Josef-Fieger-Straße, Rotbach 
und dem Kölner Ring sollte ein geräumiges Schulzentrum entstehen.

1964 konnte der 1. Bauabschnitt mit A-Trakt und N-Trakt (Biologie, Physik, Chemie),
1966  dann auch die Turnhalle eingeweiht werden.

1967 wurden neue Verwaltungsräume neben der Pausenhalle errichtet
und der ganze A-Trakt  zu Unterrichtszwecken genutzt.

1968 traten die ersten Schüler in die gymnasiale Oberstufe ein, was den 2. Bauabschnitt  (B-Trakt) nötig machte.
Die Schule galt seinerzeit als eine der modernsten in ganz NRW.
Vorbildlich eingerichtete naturwissenschaftliche Räume, Sprach- und Photolabor sowie eine moderne EDV-Anlage
gehörten zum Inventar. Durch die immer größer werdende Schülerzahl bedingt, war der Baukörper stets zu klein.
Es fehlten Klassen- und Fachräume. Einher mit dem Raummangel ging der Fachlehrermangel.
Die nächsten  8 Jahre über glich die Schule  einer Großbaustelle, auch dadurch bedingt,
dass sich im Schulzentrum die Realschule etablierte.

1971, als die ersten Schüler mit dem Reifezeugnis die Schule verließen,
wurde der C-Trakt mit 12 Unterrichtsräumen und 3 Fachräumen für Kunst der Bestimmung übergeben.
Während des Baus der verschiedenen Trakte, die an den A-Trakt angehängt wurden,
blieben den Schülern nur wenige Möglichkeiten, sich auf Schulhöfen zu tummeln, da dort die Baumaterialien deponiert waren.

1974 musste der D-Trakt mit Lehrerzimmer, Physik- und Musikfachräumen, Sprachlabors und
6 weiteren Klassenräumen  bezogen werden, um dem Schülerberg annähernd gerecht zu werden,
der das Lechenicher Gymnasium besuchen wollte.
Mit der Errichtung dieses Traktes wurde das Schulgebäude dann endgültig ein Werk der langen Wege.
Eingekeilt durch Schwimmbad, Tennisplätze und die Bungalows des Kölner Rings blieb keine
Entfaltungsmöglichkeit mehr für das einst großzügig geplante Schulzentrum.

1976 wurde die Aula feierlich eingeweiht, die 1985 durch einen immer noch ungeklärten Brandanschlag
zerstört wurde und erst 2 Jahre später wieder in Dienst genommen werden konnte.

1984 wurde der E-Trakt vollendet, der der Realschule zur Verfügung steht.
Doch erst mit weiter abnehmenden Schülerzahlen im Schulzentrum,
wo zeitweise ca. 2500 Schüler unterrichtet wurden, stand den Schülern ausreichend Platz zur Verfügung.
Heute hat sich die Schülerzahl bei ca. 1500 (davon ca. 900 Gymnasiasten) eingependelt.

1986 konnte der im Mai 1980 beantragte F-Trakt mit Medien- und Klassenräumen bezogen werden.

Die Stadtväter und Architekten hatten fast 20 Jahre lang die offenbar unlösbare Aufgabe,
immer mehr Schülern den angemessenen Lehrraum zur Verfügung zu stellen.

(Aus der Festschrift des Jahres 1994)

Ein Hoch der Schule

Was haben wir doch für ein Glück,
Daß wir in die Schule gehen können.
         wir lesen         Goethe, Kant, Lessing
         und auch         Marx, Engels, Marcuse
         oder                Nietzsche, Sartre, Mitscherlich
Was haben wir doch ein Glück,
Daß wir uns keinen Illusionen mehr hingeben können.
         man unterrichtet uns   über Gott, Religion, Ursprung
         über Unfreiheit, Sinn, Unsinn
         über Ich, Es, Überich
Was haben wir doch ein Glück,
Daß wir aufgeklärt leben können.
         wir werden erzogen    zum rationalen Menschen
         zum ökonomischen Menschen
         zum materialistischen Menschen
Was haben wir doch ein Glück,
Daß aus uns die Schule frustrierte
Und neurotische Menschen machen kann.            

(21.11.1971)